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Wie man Hausarbeiten schreiben überlebt

von Julia Tatrai

Jeder, der sich für ein politikwissenschaftliches Studium entscheidet – egal mit welchem Schwerpunkt – beginnt ein in sich stark textlastiges Studium, in dem das Produzieren von eigenen wissenschaftlichen Arbeiten auch schon in den ersten Semestern ein elementarer Bestandteil ist. Ich selbst bin kein Erstsemester mehr und die Fragen, die ich mir inzwischen zu Beginn meiner Hausarbeiten stelle, sind nicht mehr die gleichen wie früher. Anstatt mich darüber zu wundern, dass es mindestens drei anerkannte Zitierweisen gibt und darüber, dass Zeitungen als Quellen nicht ausreichen, frage ich mich inzwischen eher, wie ich verhindern kann, dass meine eigenen Gedanken und Argumente in meinen Hausarbeiten zwischen all den Literaturquellen nicht untergehen. Wie stelle ich sicher, dass jeder Paragraph ein in sich geschlossenes Argument enthält, das die Hauptthese der Hausarbeit unterstützt? Wie organisiere ich mich selbst, wenn ich plötzlich in sechs Wochen die zweifache Textmenge meiner Bachelorarbeit produzieren muss  – und das auch noch auf einem wissenschaftlich höheren Niveau?

Ähnlich wie beim Lernen ist es auch beim Schreiben von Hausarbeiten fast unmöglich eine einzige Strategie zu finden, die für jeden Studenten gleich gut funktioniert. Vielleicht habe ich auch deshalb den Eindruck, dass sich gerade beim wissenschaftlichen Schreiben wenig praktische Organisationstipps finden lassen und sich die meisten Hilfestellungen eher mit dem Aufbau und Formuliertipps beschäftigen als mit der ebenso wichtigen Phase der Recherche und des Sortierens von Quellen, Argumenten und eigenen Ideen. Deshalb möchte ich hier kurz die Methoden zusammenfassen, die sich für mich als am praktikabelsten erwiesen haben um (auch in kurzer Zeit) ein Ergebnis zu erzielen mit dem man (zumindest) leben kann.

  1. Organisieren
    1. Zunächst muss ein Thema gefunden werden, das ein Paradox enthält oder eine Variable, die überprüft werden muss. Was ist das Erkenntnisinteresse der wissenschaftlichen Arbeit? Diese Antwort muss am Anfang nicht schon feststehen. Ebenso wenig muss ein konkretes Thema mit Forschungsfrage zu Beginn ausgearbeitet werden. Ich finde es stattdessen sinnvoll, sich zunächst mehrere Forschungsfragen mit jeweiligem Erkenntnisinteresse zu überlegen und eine erste Gliederung zu erstellen. Mit dieser fällt es mir leichter aktiv nach wissenschaftlichen Arbeiten zu suchen, die sich mit den einzelnen Unterthemen der Hausarbeit beschäftigen
    2. Egal, ob ihr eure Notizen digital oder handschriftlich erstellt: Fundamental wichtig ist, dass ihr eine Möglichkeit findet, eure eigenen Ideen und Gedankenentwicklungen parallel zu reinen Lesenotizen festzuhalten. Handschriftlich ist das beliebte an-den-Rand-mit-einer-anderen-Farbe kritzeln eine gute Idee oder das Verwenden von Post-ist. Digital empfehlen sich entweder Notizen in einem Worddokument oder das Benutzen einer Mindmapping-Software.
    3. Literatur sichten kostet Zeit. Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten: Habt ihr bereits einen Ausgangtext, der sich mit euren Thema beschäftigt? Dann könnt ihr durch dessen Quellenverzeichnis/Fußnoten weitere interessante Artikel finden (und sofort merken, ob euer Ausgangstext beim Zitieren geschludert hat, was prinzipiell nicht für seine Qualität spricht). Euren Ausgangstext könnt ihr auch bei Google Scholar suchen und euch dann anzeigen lassen, welche anderen Autoren diesen zitiert haben. Das ist eine besonders gute Möglichkeit zu sehen welche Resonanz und Bedeutung der Artikel in der wissenschaftlichen Gemeinschaft gefunden hat und hilft zudem Entwicklungen zu eurem Hausarbeitsthema nach der Veröffentlichung des Ausgangstextes zu überblicken. Alternativ könnt ihr stichwortartig bei Google und den bekannten Journals nach wissenschaftlichen Arbeiten suchen, die zu eurem Thema passen. Wichtig finde ich, dass ihr früh ein Dokument mit den Arbeiten erstellt, die anhand des Titels zu eurem gewählten Hausarbeitsthema passen. Im gleichen Schritt vermerke ich, ob diese für mich mit den Benutzerdaten meiner Universität leicht zugänglich sind. Es hilft die Abstracts zu lesen und die Artikel bereits eurer vorläufigen Gliederung zuzuordnen. Ich persönliche markiere mir dann noch farbig, welche Arbeiten ich nicht in meinem Besitz habe und was ich noch nicht gelesen habe.
    4. Nach dieser ersten Literatursichtung gilt es zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Macht euer gewähltes Thema Sinn? Könnt ihr eure Forschungsfrage bereits greifen und einen ersten Entwurf inklusive Thema und Ausführung an euren Hausarbeitenbetreuer schicken? Wenn diese Fragen mit ja beantwortet sind, verabredet mit eurem Dozenten einen Gesprächstermin oder lasst euch per Mail beraten. Dieser Schritt ist elementar, da ihr so wichtige Anregungen bekommt und ihr gemeinsam den Vorschlag kritisch reflektieren könnt.
    5. Nach dem Gespräch mit eurem Dozenten solltet ihr in der Lage sein das eigentliche Arbeiten an der Hausarbeit zu beginnen. Im Gespräch legt ihr den technischen Rahmen rund um die Hausarbeit fest: Länge, Zitierweise, Abgabetermin. Nun ist es wichtig die Hausarbeit in einzelne Phasen aufzuteilen. Ich persönlich bevorzuge einzelne Paragraphen zunächst unabhängig voneinander zu bearbeiten -, d.h. ich lese zu einem Abschnitt der Hausarbeit und schreibe einen ersten Entwurf – bevor ich mich den anderen Abschnitten intensiv zuwende. Ihr könnt aber natürlich auch sofort ganzheitlich an allen Abschnitten gleichzeitig arbeiten.
    6. Legt euch einen Zeitplan an und arbeitet dabei rückwirkend: optimalerweise geht ihr vom Abgabetermin aus, setzt diesen drei Tage früher an und überlegt dann welche Arbeitsschritte bis zu welchem Zeitpunkt erledigt werden müssen. Am besten plant ihr großzügig und überschätzt die eigene Motivation nicht. Eine realistische Einschätzung eurer Arbeitsgeschwindigkeit wird euer Leben in den kommenden Wochen sehr viel einfacher machen. Gerade wenn ihr mit der Formatierung in Word noch nicht ganz vertraut seid, plant auch hierfür ausreichend Zeit ein. Das Erstellen eines Inhaltsverzeichnisses und der Seitennummerierung kann bei den ersten Malen viel Zeit in Anspruch nehmen.
  1. Die einzelnen Phasen: Recherche
    1. Für mich ist es mittlerweile elementar, meine Literatur von Anfang an ordentlich zu sortieren. Ich arbeite dabei entweder mit einem Worddokument oder bei einer längeren Arbeit mit einer Excel-Tabelle. Auch Citavi oder ähnliche Software empfiehlt sich. In Excel erstelle ich folgende Spalten: Argumente, Referenzen, Zitate aus den Referenzen, eigene Notizen, Tags (die nicht zwangsläufig notwendig sind), Hausarbeitsabschnitt, eigene Formulierung. Ich hänge euch zur Verdeutlichung einen Screenshot an. Texte, die ich gelesen habe oder noch zu lesen habe markiere ich farbig.
      blog
    2. Wenn ihr zum Beginn der Hausarbeit noch keine Argumente identifiziert habt, könnt ihr die einzelnen Spalten natürlich auch anders anordnen. Habt ihr zudem das Problem, dass ihr nicht in der Lage seid eigene Gedanken zu fixieren und mit anderen Arbeiten zu unterstützen, lest und analysiert zunächst Primärquellen, bevor ihr unterstützende Argumente sucht.
    3. Anschließend müsst ihr lesen. Plant auch hier realistisch. Ich brauche zum Beispiel für das intensive Lesen, Notizen herausschreiben und eigene Notizen erstellen mindestens drei Stunden pro Journalartikel (mit klassischen 20-30 Seiten). Zudem ist es wichtig, dass ihr ergebnisorientiert lest: behaltet für den Aufbau eurer Arbeit eure Forschungsfrage und eure Argumente im Hinterkopf. Sucht nicht nur nach unterstützender Literatur, sondern lest auch die Arbeiten, die gegensätzlich argumentieren. Versucht zudem herauszuarbeiten wie der aktuelle Stand der Debatte ist, wer welche Positionen vertritt und welche Arbeiten die Debatte entscheidend geprägt haben. Gerade in der Politikwissenschaft und bei einem gegenwartsbezogenen Chinastudium solltet ihr aktuelle Entwicklungen nie aus dem Blick verlieren, wenn diese für eure Hausarbeit von Bedeutung sind.
  1. Die einzelnen Phasen: Schreiben
    1. Schreibt am besten parallel zur Literaturrecherche die ersten kurzen Abschnitte. Achtet dabei früh darauf, dass ihr entsprechend zitiert um zum Schluss nicht versehentlich zu plagiieren, weil ihr einzelne Gedanken falschen Autoren zuordnet. Ich sortiere meine vorgeschriebene Arbeit bereits nach einzelnen Kapiteln. In dieser Phase achte ich wenig auf Ausdruck und sinnvolle Formulierungen.
    2. Wenn ihr die Recherchephase hinter euch gebracht habt, die nötigen Notizen geschrieben sind und alle theoretischen und inhaltlichen Probleme geklärt sind, beginnt die eigentliche Schreibarbeit. Setzt euch auch hier ein realistisches Ziel an Wörtern, die ihr pro Tag erreichen wollt. Was ihr pro Tag schreiben könnt ist auch wieder von Student zu Student unterschiedlich. Sobald die Arbeit in meinem Kopf geordnet ist, habe ich persönlich wenig Probleme auch mehrere Seiten am Tag zu schreiben. Ein guter genereller Richtwert sind um die 700 Wörter pro Tag, die man realistisch schreiben kann. Stellen, die auf jeden Fall noch umformuliert werden müssen markiere ich mir meistens farbig.
    3. Sobald ich das erste fertige Gerüst meiner Hausarbeit habe, drucke ich sie mir meistens aus, um Rechtschreib- und Grammatikfehler zu finden, aber auch, um bei jedem Absatz das Hauptargument und die logische Rückführung zum Thema zu überprüfen. Wenn ihr die Arbeit noch kürzen müsst, ist das ein guter Weg, sich wiederholende Passagen zu streichen und Überflüssiges zu löschen.
    4. Anschließend schreibe ich eine vorläufige Endversion und schicke diese an meine Korrektoren. Ihr solltet immer Zeit einplanen, so dass zumindest ein Gegenlesen möglich ist. Es ist auch sinnvoll sowohl jemanden zu finden, der sprachlich bewandert ist und euren Ausdruck und eure Schreibweise überprüft als auch jemanden, der euch inhaltlich weiterhelfen kann. Zudem könnt ihr eurem Dozenten letzte Fragen stellen, falls es noch inhaltliche Unklarheiten gibt, die ihr nicht alleine lösen könnt.
    5. Zuletzt verfasse ich die endgültige Fassung der Hausarbeit, lege sie beiseite und korrigiere sie einen Tag später ein letztes Mal.
  1. Die einzelnen Phasen: Formatierung
    1. Der vermutlich schlimmste Part. Ihr müsst in der Regel ein Inhaltsverzeichnis, Titelblatt und Quellenverzeichnis erstellen, eine eidesstaatliche Erklärung anhängen und Seitenzahlen hinzufügen. Wenn ihr Glück habt, habt ihr keine Formatierungsfehler im Text und die Formatierung verläuft schnell und problemlos. Achtet nun auch zwingend auf eine durchgehend richtige Zitierweise.
    2. Wenn dies nicht der Fall ist, sind das Internet, Freunde und eine Menge Geduld die einzige Lösung. Gerade wenn ihr mit Word nicht sehr vertraut seid, solltet ihr sowohl Weiterbildungskurse an der Uni in Betracht ziehen als euch auch einmal alle nötigen Formatierungsschritte aufzuschreiben. Wenn ihr bei weiteren Hausarbeiten dann erneut Formatierungsprobleme habt, wird dieses Dokument euer Leben retten.
  1. Die einzelnen Phasen: Rücksprache und Reflektion
    1. Für eure Hausarbeiten erhaltet ihr in der Regel eine Note. Jegliche weitere Absprache liegt dann sowohl an euch, als auch am Dozenten.
    2. Es empfiehlt sich sehr einen Gesprächstermin mit eurem Dozenten zu vereinbaren. Ihr erhaltet nicht nur eine generelle Rückmeldung, sondern könnt auch direkt Probleme ansprechen, die sich für euch während der Schreibphase ergeben haben. Vielleicht versteht ihr noch nicht genau, wie man Plagiate und indirekte Zitierweisen vermeidet? Oder ihr hattet Schwierigkeiten mit der Themenfindung? Eine gute Rücksprache kann für zukünftige wissenschaftliche Arbeiten eine solide Basis bilden.
    3. Optimiert euren eigenen Zeitplan. Reflektiert welche einzelnen Arbeitsschritte euch besondere Probleme bereitet haben und überlegt wie ihr in Zukunft vorgehen könnt, um eine Wiederholung zu vermeiden. Kleinschrittiger gedacht macht es auch Sinn zu überlegen, wo und wann ihr am besten wissenschaftlich arbeitet. Feste Zeiten unter der Woche für die Uni einzuplanen ist wichtig um einen guten Arbeitsrhythmus zu entwickeln.

Zu guter Letzt: längere Pausen, Motivationstiefs, starke Zweifel und eine zunehmende Abneigung gegen euren Computer sind meistens normale Phasen. Merkt ihr jedoch, dass ihr tatsächlich in einer Inspirationslücke steckt, holt euch frühzeitig Hilfe bei Kommilitonen oder eurem Dozenten damit die fristgerechte Abgabe der Hausarbeit nicht in Gefahr gerät.

Gern könnt ihr uns aber auch in der Kommentarspalte unter diesem Beitrag Fragen stellen.  Was sind eure Tipps und Tricks für Hausarbeiten? Diskutiert mit uns in den Kommentaren!

Viel Erfolg!

 

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