Allgemein

Einführung China in Afrika

von Julia Tatrai

Spätestens mit dem ersten Gipfel des „Forum on China-Africa Cooperation“ (FOCAC) im Jahre 2000 sind Chinas diplomatische Beziehungen mit den Ländern des afrikanischen Kontinents in den Blickwinkel von Entwicklungszusammenarbeit, Forschung und Medien geraten. Dabei ist es an wichtig anzumerken, dass es Chinas Beziehung zu „Afrika“ nicht gibt. So verschieden wie die 54 Länder Afrikas sind, so unterschiedlich sind Chinas Beziehungen auch zu den einzelnen Staaten mit denen China diplomatische Beziehungen unterhält. Ebenso wenig agiert „China“ als kohärenter Akteur, der in der Lage ist alle Aktivitäten chinesischer Offizieller, Unternehmen und Staatsbürger zu lenken. Je nach Analysegegenstand und Fragestellung kommen wissenschaftliche Arbeiten zum breiten Thema chinesisch-afrikanische Beziehungen so zu ganz unterschiedlichen Forschungsergebnissen.

Vor allem in westlichen Publikationen lässt sich eine negative Wahrnehmung chinesischer Interessen in Afrika feststellen, die China Neo-Imperialismus gepaart mit Ressourcenhunger vorwirft und ein Aufweichen internationaler Entwicklungshilfestandards beklagt. China wiederum betont seit den frühen 50er Jahren, dass es sich bei seinen Beziehungen zu afrikanischen Staaten um eine strategische Partnerschaft handelt, die gegenseitigen Nutzen und Respekt rhetorisch in den Vordergrund stellt und Chinas Status als drittgrößter Handelspartner des afrikanischen Kontinents gerecht wird. Chinesische Forschungsarbeiten zeichnen ein Bild gegenseitiger win-win-Beziehungen, die auf gemeinsamen kolonialen Erfahrungen und einer Dritte-Welt-Solidarität aufgebaut sind. Afrikanische Forschung kritisiert vor allem neoliberale Politik und betont in erster Linie die eigene Verantwortung afrikanischer Regierungen durch Zusammenarbeit mit jeglichen anderen Staaten Wachstum und Wohlstand für die Zivilbevölkerung anzukurbeln.

Wie auch in anderen Weltgegenden üblich, beruft sich China auch in der Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten auf die Prinzipien seiner Außenpolitik. Vor allem das Nichteinmischungsprinzip und dessen Folgen für Chinas Kooperation mit afrikanischen Staaten stehen hier im Schwerpunkt der Forschung. Unterhalb der Ebene staatlicher Beziehungen sind durch zunehmende Migrationsbewegungen von Chinesen in afrikanische Staaten und entgegengesetzt von afrikanischen Menschen nach China sowie der Aktivitäten chinesischer Unternehmen in Afrika jedoch eine Reihe an Berührungspunkten festzustellen, die nicht durch Nichteinmischung geprägt sind. Vor allem im direkten Kontakt gibt es daher ein hohes Konfliktpotenzial, wenn unter den Zivilbevölkerungen afrikanischer Staaten der Eindruck entsteht, dass die Präsenz Chinas einheimische Industriezweige zerstört oder afrikanische Arbeitskräfte chinesischer Firmen ausgebeutet werden.

Chinesische Interaktionen mit afrikanischen Staaten bleiben trotz der Popularität des Themas weiterhin in vielen Bereichen untererforscht. Notwendige Empirie zur Theoriebildung fehlt, was wiederum eine realistische Einschätzung der Wirkung Chinas auf afrikanische Staaten schwierig macht. Dies gilt vor allem in Bezug auf die Frage ob wirtschaftliche Zusammenarbeit die gesamtgesellschaftliche Entwicklung fördert. China wird zudem oft als unitärer Akteur wahrgenommen (und präsentiert sich auch selbst als solcher), obwohl Kooperationen mit afrikanischen Partnern nicht selten auf einer komplexen Interessenslage verschiedener Akteure beruhen. Zudem leiden eine Reihe an Forschungsarbeiten darunter die Rolle westlicher Staaten sowohl in Vergangenheit als auch Gegenwart nicht kritisch genug aufzuarbeiten. Auch die unreflektierte Verwendung des Begriffs „Entwicklung“ ist ein Problem aktueller Forschung. Die verschiedenen afrikanischen Staaten sind zudem schlecht in Diskurse der Internationalen Beziehungen eingegliedert, was Analysen chinesisch-afrikanischer Beziehungen im Politikfeld Internationale Beziehungen erschwert.

Zusammenfassend ist zu sagen:

  • Chinas Interaktionen mit afrikanischen Staaten werden von chinesischer Seite als „win-win“-Beziehungen oder Süd-Süd-Beziehungen bezeichnet, die auf gegenseitigem Vertrauen und einer gemeinsamen Geschichte durch Erfahrungen des Kolonialismus aufbauen.
  • Seit 2000 institutionalisieren sich die Beziehungen zunehmend. Seit 2000 werden alle drei Jahre das Forum on China-Africa Cooperation (FOCAC) veranstaltet. Zudem gibt es eine Reihe an bilateralen Treffen auf verschiedenen Ebenen.
  • Zahlen zu chinesischen Migranten in afrikanischen Staaten sind stark unterschiedlich. Ausgegangen wird von bis zu einer Million chinesischen Migranten, die auf dem afrikanischen Kontinent wohnen. Ebenso unsicher ist, wie viele Migranten aus Afrika in China wohnen. Schätzungen zufolge gibt es bis zu 200.000 afrikanische Migranten in Guangzhou.

Nächster CfP: Voraussichtlich Mitte November 2016

Zur Einführung in das Thema eignen sich:
Alden, Chris (2007). China in Africa. Zed Books, London.
Dent, Christopher M. (2011). China and Africa Development Relations. Routledge, London.
French, Howard W. (2015). China’s second continent: How a million migrants are building a new empire in Africa. Vintage Books, New York.
Manji, Firoze; Marks, Stephen (2007). African Perspectives on China in Africa. Fahamu, Cape Town, Nairobi, Oxford.
Taylor, Ian (2010). China’s new role in Africa. Lynne Rienner Publishers, Boulder.
Zhao, Suisheng (2014). A Neo-Colonialist Predator or Development Partner? China’s
engagement and rebalance in Africa. Journal of Contemporary China, 23: 90, pp. 1033-1052.

Auch interessant sind:
http://www.chinaafricarealstory.com/
http://www.chinaafricaproject.com/

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Julia studiert derzeit einen Master in Politikwissenschaft an der FU Berlin. Sie ist studentische Hilfskraft, Vorstandsmitglied von Abaana Uganda e.V. und bei Mapping China als Teil des Boards of Directors verantwortlich für Mapping Studies und die Mapping Issues and Structures Kategorien China-Afrika und Politische Partizipation.

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