Auslandserfahrungen Shanghai

Erfahrungsbericht Fudan University

Erfahrungsbericht Tatjana:

Frage 1: Wann warst du in China? Welche Universität hast du besucht? Wie gut war dein Chinesisch zu Beginn des Aufenthalts, bzw. in welchem deutschen Studienabschnitt bist du nach China gegangen?

  • Ich bin nach dem vierten Semester meines Bachelors ins Ausland gegangen, das war im Wintersemester 2014/2015. Im Rahmen meines Bachelors hatte ich also Chinesisch Grund- und Mittelstufe abgeschlossen. Gelandet bin ich in China schließlich an der Fudan-Universität in Shanghai.

Frage 2: Wie groß war deine Klasse? Wie viele Kommilitonen hattest du?

  • Meine Klasse bestand aus ca. 15 Studierenden, was ich von der Gruppengröße super fand! Klein genug um regelmäßig zu sprechen und alle zu kennen, aber auch groß genug um mal den Kopf einzuziehen 😉

Frage 3: Wie viele Lehrer hattest du? Wie würdest du die Unterrichtsleistung der Lehrer einschätzen?

  • Wir hatten eine Klassenlehrerin, die uns täglich unterrichtet hat und dann noch Lehrkräfte für Hörverstehen, Mündlichen Ausdruck, Schreiben und Leseverständnis. Die Leistung war dabei je nach Persönlichkeit unterschiedlich, unterm Strich aber positiv zu beurteilen. Ausreißer gab es zwar immer mal bei etwas antiquierten Unterrichtsmethoden, aber im Großen und Ganzen haben sich alle bemüht den Unterricht sowohl lernintensiv als auch abwechslungsreich zu gestalten.

Frage 4: Kannst du uns kurz einen normalen Unterrichtsablauf schildern?

  • Mit unserer Klassenlehrerin sind wir ein ausführliches Lehrbuch durchgegangen, das heißt ein oder zwei Sätze wurde von einem Studierenden vorgelesen und dann hatte unsere Lehrerin grammatikalische Besonderheiten oder neue Wörter in einer Power Point Präsentation vorbereitet. Die haben wir dann diskutiert, manchmal auch ein paar Übungen aus dem Übungsteil des Buches gemacht und dann ging es weiter. In den anderen Kursstunden gab es aber auch andere Methoden. Ganz schrecklich fand ich persönlich im Hörverstehen-Kurs Diktate an der Tafel und das Auswendiglernen ganzer Texte. Abwechslungsreich war dagegen der Kurs zum mündlichen Ausdruck, da haben wir oft spontan Präsentationen gehalten oder auch der Schreibkurs, in dem ich endlich mal gelernt habe eine chinesische Bewerbung zu schreiben.

Frage 5: Wie zeitintensiv war dein Kurs in der Vor- und Nachbereitungszeit? Wie oft hast du Prüfungen geschrieben und wie schwer waren diese?

  • Ich fand den Kurs anfangs sehr aufwendig in der Vor- und Nachbereitung, vor allem da wir regelmäßig selbst Texte schreiben mussten. Dieses „Produzieren“ von freien Texten war ich aus dem Bachelor nicht gewöhnt. Mit der Zeit hat sich das allerdings eingependelt. Dennoch würde ich sagen, dass ich täglich ein bis zwei Stunden die Kurse vor- und nachbereitet habe. Prüfungen hatten wir zweimal im Semester, da man in einem Semester auch zwei Kursstufen durchläuft. Die haben durchaus Lernaufwand erfordert, wenn man sich vorbereitet hatte war ein gutes Abschneiden aber kein Problem.

Frage 6: Hast du Lernfortschritte gemerkt? Hast du außerhalb des Unterrichts viel Chinesisch gesprochen?

  • Auf jeden Fall! Vor allem im Hörverstehen und eigenem Ausdruck habe ich meine Fortschritte schnell gemerkt. Aber auch in allen anderen Bereichen hat sich der regelmäßige Umgang mit der Sprache schnell bemerkbar gemacht. Außerhalb des Unterrichts habe ich natürlich zum einen bei allen Alltagstätigkeiten wie Einkaufen, Behördengänge etc. Chinesisch gesprochen, zum anderen haben mich aber auch muttersprachliche Freunde immer wieder zum Chinesisch Sprechen gezwungen – die beste Übung! 😉

Frage 7: Wie würdest du deinen Sprachkurs insgesamt bewerten? Gab es besonders positive oder negative Aspekte?

  • Insgesamt war ich mit dem Sprachkurs an der Fudan-Universität sehr zufrieden. Der Anspruch war hoch genug um mich zu fordern, die Lerninhalte alle aufeinander abgestimmt und ich habe schnell Fortschritte gemerkt, was mich motiviert hat. Besonders positiv fand ich das auch Wert auf die Gruppendynamik der Klasse gelegt wurde und wir zum Beispiel zusammen Ausflüge gemacht haben. Außerdem waren unsere Lehrkräfte alle sehr bemüht und standen auch bei persönlichen oder praktischen Problemen vor Ort mit Rat und Tat zur Seite. Genervt haben mich dagegen manchmal die antiquierten Unterrichtsmethoden: Tafeldiktate und Auswendiglernen, damit konnte ich mich nicht anfreunden.

Frage 8: Was würdest du Studierenden raten, die nach einer geeigneten Universität in China suchen? Auf was hast du in deiner Universitätswahl besonders geachtet?

  • Ganz alleine aussuchen konnte ich mir meine Uni nicht, da ich mit einem Stipendium des CSC vermittelt über den DAAD dort war. Bei der Bewerbung konnte ich eine Prioritätenliste von drei Universitäten angeben. Bei der Auswahl dieser habe ich mich vor allem an Erfahrungsberichten anderer Studierender orientiert. Dass ich meine Erstwahl dann tatsächlich bekommen habe war dann umso schöner.

Frage 9: Wo warst du untergebracht? Wie lief deine Wohnungssuche ab? Warst du mit deiner Unterkunft zufrieden?

  • Da mein Stipendium die Unterbringung nicht abgedeckt hatte, musste ich mich selbst darum kümmern. In Deutschland war ich noch super entspannt, ich habe für die erste Woche in China ein Hostel gebucht und dann vor Ort losgelegt. Angebote habe ich mir auf smartshanghai.com angesehen und dann war tatsächlich auch gleich die erste Besichtigung ein Treffer. Zusammen mit meinem Freund bin ich in ein kleines 2-Zimmer Apartment gezogen, das nur 2min von einer Metro-Station der Linie 2 entfernt lag, jede Menge kleiner Restaurants und Supermärkte direkt um die Ecke hatte und dazu noch bezahlbar war – ein absoluter Glücksgriff! Am Ende mochte ich die Wohnung so sehr, dass ich gar nicht mehr ausziehen wollte

Frage 10: Wie hast du deinen Sprachkurs vor Abflug organisiert? Hattest du ein Stipendium? War dein Aufenthalt Teil eines Austauschprogramms oder hast du ihn selbst organisiert?

  • Mein Sprachkurs war nicht Teil eines Austauschprogrammes meiner Heimatuniversität, sondern wie bereits erwähnt über ein Teilstipendium des China Scholarship Council, welches über den DAAD vermittelt wurde, organisiert. Das heißt ich habe mich ca. ein dreiviertel Jahr vor der Abreise direkt beim DAAD beworben, wo ich ein Motivationsschreiben, zwei Empfehlungsschreiben und eine Wunschliste der Universitäten eingereicht habe. Bescheid bekommen habe ich allerdings erst sehr spät, ca. zwei Monate vor Beginn des Semesters im Ausland.

Frage 11: Wie sah dein Alltag außerhalb der Uni aus?

  • Außerhalb der Uni war mein Alltag dem in Deutschland sehr ähnlich. Mittagessen und Unternehmungen mit meinen Kommilitonen, Erledigungen für die Uni, Treffen mit meiner Tandempartnerin etc. Die Wochenenden habe ich in der Regel mit meinen chinesischen Freunden, die unter der Woche beruflich eingespannt waren und mit meinem Freund verbracht. Der größte Unterschied zu meinem Leben in Deutschland war, dass man öfter ein paar Tage verreist ist und die fremde Stadt natürlich erkundet werden will. Oft hatte ich gar nicht das Bedürfnis die Wochenenden zum Reisen zu nutzen, da Shanghai was Essen und Kultur angeht, unglaublich viele Möglichkeiten bietet seine Freizeit zu gestalten.

Frage 12: Als wie hilfreich würdest du den Aufenthalt für dein weiteres Studium in Deutschland bewerten?

  • Da meine Kurse an der Universität reine Sprachkurse waren, habe ich mich fachlich nicht wirklich weiterentwickelt. Die inhaltliche Auseinandersetzung hat mir nach einem Semester ganz schön gefehlt und ich war froh in dieser Hinsicht in den deutschen Kursen wieder gefordert zu werden. Der Sprachkurs war dagegen super nötig! Sich eine Zeit lang ganz auf die Sprache zu konzentrieren und sowohl inner- als auch außerhalb des Unterrichtes ständig damit konfrontiert zu sein, schafft einfach ein anderes Lernumfeld. Ich denke, wenn man eine Sprache richtig lernen will ist ein Aufenthalt im jeweiligen Land zu irgendeinem Zeitpunkt unumgänglich.

Frage 13: Was war dein schönster Moment in China? Was dein schlimmster? Was vermisst du am meisten und was überhaupt nicht?

  • Oh je… schwierige Frage! Der schlimmste Moment war vermutlich der schriftliche Einstufungstest am Anfang, bei dem ich mit der Gesamtsituation so überfordert war, dass mein Ergebnis hinter meinem Können zurückblieb. Da die schriftlichen Ergebnisse aber noch einmal im mündlichen Gespräch überprüft wurden, kam ich letztendlich doch in den richtigen Kurs. Schöne Momente gab es dagegen zahlreiche, da kann ich mich gar nicht festlegen. Mit Blick auf die Sprachkompetenz war einer meine Aha-Momente als ich im Taxi saß und plötzlich ohne aktives Zuhören die Radiosendung verstanden habe. Die schönsten Momente haben mir aber auch meine Freunde vor Ort beschert, zum Beispiel eine enge chinesische Freundin, die ein Weihnachtsfest für uns ausgerichtet hat, damit das Heimweh nicht zu groß ist. Zurück in Deutschland hatte ich anfangs ziemliche Eingewöhnungsschwierigkeiten und habe meine Freunde, den Trubel auf den Straßen, unsere Marktfrau, die uns immer jede Menge Gemüse gratis gegeben hat, das abendliche Karaoke singen vor unserem Haus und die Möglichkeit an jeder Ecke bezahlbares und leckeres Essen zu finden vermisst. Kein bisschen gefehlt hat mir dagegen die Family Mart Begrüßungsmelodie…

Frage 14: Was würdest du anderen Studierenden empfehlen, die nach China kommen wollen? Aus welchen Fehlern hast du gelernt?

  • Zuerst einmal das Wichtigste: Geht nach China! Für ein gutes und sicheres Sprachniveau führt kein Weg an einem Aufenthalt im Land vorbei! Und wenn ihr dort seid habt keine Hemmungen alles und jeden zuzuquatschen, die meisten Menschen werden sich gerne mit euch unterhalten. Große Fehler habe ich zugegebenermaßen rückblickend gar nicht auf dem Schirm, außer vielleicht sich zu viele Gedanken zu machen. Genießt die Zeit einfach, die Unbeschwertheit in der man im Auslandssemester lebt bekommt man so schnell nicht wieder 😉

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