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Wie man das Stundenplan-Erstellen überlebt (für Erstis und vielleicht auch alle anderen Studis)

von Julia Tatrai

Jeder Ersti kennt das Problem – nachdem man es irgendwie geschafft hat nicht nur einen Studienplatz zu ergattern sondern auch sich tatsächlich trotz unterschiedlicher bürokratischer Widrigkeiten einzuschreiben, stehen die Erstsemesterwochen an und mit ihnen die große Frage, wer welchen Kurs zu belegen plant.

Für Erstsemester ist die Unifachsprache, die weit über s.t. und c.t. hinausreicht, erstmal verwirrend. Es gibt Seminare, Vorlesungen, Übungen und diese sind auch noch alle unterschiedlichen Modulen zugeordnet und gerne so abgekürzt – SoWi, PoWi, PolSys, VePoWi – dass man spätestens jetzt das erste Mal ins Grübeln kommt, ob man dieses Studieren wirklich ausprobieren soll. Was also hilft, um nicht schon im ersten Semester all das falsch zu machen, was man richtig machen sollte? Und wie stellt man unabhängig des eigenen Fachsemesters sicher, dass man sich nicht überlastet, unterlastet und nicht nur Dinge belegt, die das eigene Interesse nicht treffen?

Die Basics: Was ist denn eigentlich so ein Stundenplan?

Der Stundenplan organisiert euer studentisches Leben. In der Regel absolviert man 25 – 35 CP (Credit Points) pro Semester; all eure Veranstaltungen sind unterschiedliche Höhen an Credits wert (meistens drei oder fünf, für ganzwöchige Sprachkurse auch mal 10), die zusammenaddiert im Schnitt besagte 25 – 30 CP belegte Kurse pro Semester ergeben sollten. Wichtig ist, darauf zu achten, dass die Kurse, die ihr belegt auch tatsächlich Teil eurer Studienordnung sind; das überprüft ihr, in dem ihr offensichtlich die Studienordnung zu Rate zieht sowie einen Blick in euer kommentiertes Vorlesungsverzeichnis werft während ihr euren Stundenplan gestaltet. Dazu solltet ihr darauf achten, zunächst alle Grundkurse zu belegen, bevor ihr euch den Aufbau- und Vertiefungsmodulen zuwendet, da diese meistens Kenntnisse abfragen, die ihr erst erlernen solltet. Zu guter Letzt müsst ihr noch zwischen Kursen mit Leistungsnachweis (meistens Klausur oder Hausarbeit) und Kursen ohne Leistungsnachweis (meistens nur Referate, Literaturzusammenfassungen oder Protokolle während des Semesters) wählen. Einige Tipps zur Auswahl eurer Kurse sind:

  1. Redet euch nicht ein, anders zu sein, als ihr bisher wart
    Ihr seid absolute Langschläfer und werdet erst nachts richtig aktiv? Ihr feiert prinzipiell Bergfest am Mittwoch und könnt dann am Donnerstag gar nichts? Während der Unibeginn ein guter Zeitpunkt ist, um sich neu zu erfinden, neue Schwerpunkte in eurem Leben zu setzen oder zu lernen euch zu organisieren, müsst ihr nicht alles aufgeben, was aus euch bisher euch gemacht hat. Wenn ihr das frühe Aufstehen hasst, dann sind 8 Uhr Kurse, vor allem im Winter, eher nichts für euch und ihr werdet nur unglücklich, wenn ihr den Kurs schmeißen müsst.
  2. Schaut euch alle Kurse in der ersten Woche des Semesters an, die euch interessieren
    Das ist ein guter Weg um festzustellen, dass ihr mit der Dozent*in eures Lieblingsthemas vielleicht doch nicht so gut könnt, wie ihr dachtet, oder dass ein Seminar zum Populismus in der BRD mit über 150 Teilnehmern nicht unbedingt das Gelbe vom Ei ist. Und das ist übrigens auch ganz normal, es ist also nicht merkwürdig, wenn ihr nur einmal in einem Seminar auftaucht und danach nie wieder.
  3. Wählt lieber kleine Seminare als große
    Jede*r Dozent*in, egal wie gut, kommt an seine/ihre Grenzen wenn er/sie ein Seminar mit über 50 Leuten gestalten muss. Die Chancen sind groß, dass ihr in einem kleineren Seminar mit circa zehn Teilnehmern sehr viel bessere Diskussionen erleben werdet – natürlich unter der Voraussetzung, dass ihr selbst ordentlich mitarbeitet und vorbereitet seid.
  4. Macht euch nicht zu viele Gedanken über eure Seminare
    Euer absolutes Lieblingsthema clashed mit anderen Seminaren, die ihr belegen müsst? Euer/eure absolute*r Lieblingsdozent*in unterrichtet an einem Tag, an dem ihr arbeitet? Macht euch nicht zu viele Gedanken darüber. Seminare, die euch erstmal weniger interessieren, haben immer das Potenzial spannender zu sein als gedacht, vor allem wenn ihr euch auf das Thema einlässt und die Seminararbeit durchzieht.
  5. Überlegt ob euch Vertiefung oder Diversifizierung Eures Wissens wichtiger ist
    Mit einer limitierten Nummer an Seminaren, die ihr in eurem Unileben belegen werdet, solltet ihr überlegen was euch wichtiger ist: Die Vertiefung eures Wissen zu ausgesuchten Themen oder die Diversifizierung aller Themen, über die ihr nach einem Seminar zumindest Basiswissen habt. Beides hat seine Vor- und Nachteile: Am Ende des Studiums empfiehlt sich vermutlich eher ersteres, um sich gezielt auf die Abschlussarbeit vorzubereiten, während am Anfang des Studiums erst einmal herausgefunden werden muss, was einen wissenschaftlich wirklich interessiert. Und gerade im Bachelor sollte man es mit der Vertiefung sowieso nicht übertreiben, da man ja erst einmal einen guten Überblick über sein Studienfach und viele dafür relevante Themen erhalten sollte.
  6. Die Qualität der Dozent*innen ist entscheidender als die Inhalte
    Wenn es sich nicht gerade um das Thema euer Bachelorarbeit handelt, solltet ihr eher gute Dozent*innen als interessante Themen wählen. Natürlich ist eine solche Einschätzung immer subjektiv, aber ein motivierter Dozent*, der/die sich Zeit für Studierende nimmt, Fragen abseits des Kursplans verfolgt und dessen/deren Arbeitseinstellung positiv abfärbt, ist meistens gewinnbringender als ein langweiliges Seminar zu eurem Lieblingsthema.
  7. Belegt zuerst verpflichtende Kurse bevor ihr Wahlkurse abhandelt
    Verpflichtende Kurse, die man nicht wählen kann, häufig in Form von Vorlesungen sind Bestandteil jedes Studiengangs. Diese Pflichtkurse müssen nicht immer uninteressant sein, aber es ist prinzipiell eine gute Idee sie in den ersten Semestern abzuhaken, da sie häufig mit Klausuren verbunden sind und natürlich auch einen guten Überblick über das Fach bieten, das ihr angefangen habt zu studieren. Und oft werden diese Kurse auch nur im Semesterturnus angeboten, also nur einmal im Sommer- oder Wintersemester, was es definitiv ärgerlich macht, wenn man zum Ende des Studiums noch ein weiteres Semester auf die Kurse warten muss.
  8. Wenn ihr Chinesisch oder / und eine ostasiatische Sprache lernt, muss diese an erster Stelle stehen
    Die allermeisten Studienanfänger unter euch haben vermutlich regelmäßige Sprachkurse, die gerne auch zwei Stunden jeden Tag von Montag bis Freitag umfassen können. Vermutlich bietet eure Uni dann zwei Uhrzeiten pro Tag an, zwischen denen ihr frei wählen könnt; die Teilnahme ist jedoch prinzipiell verpflichtend für jeden Tag in der Woche. Selbst wenn es keine Anwesenheitspflicht an eurer Uni geben sollte, kann ich euch versichern, dass ihr den Besuch der Sprachkurse für euch selbst verpflichtend machen müsst. All eure anderen Kurse müssen rund um die Sprachkurse organisiert sein.
  9. Werdet nicht panisch wenn ihr Anmeldefristen verpasst
    Im ersten Semester werden euch alle Dozent*innen einreden, dass es ein großes Drama ist, wenn ihr die Online-Anmeldefristen verpasst um euch eure Kurse auszusuchen. De facto ist das in der Regel nur zusätzlicher Verwaltungsaufwand und ihr werdet etwas durch die Gegend rennen müssen, aber es ist unwahrscheinlich, dass ihr nicht mehr in eure Lieblingskurse kommt. Aber natürlich ist es besser, Fristen nicht zu verpassen 😉
  10. Wählt zumindest ein bisschen strategisch
    Wenn sich euer Unileben langsam dem Ende zuneigt und ihr euch dem Schreiben euer Abschlussarbeit zuwenden müsst, ist es eine gute Idee einen Kurs bei dem Dozent*in zu belegen, bei dem/der ihr eure Arbeit schreiben wollt. So kann man sich kennenlernen, ihr solltet natürlich einen guten Eindruck hinterlassen und es ist wahrscheinlicher, dass ihr eine Betreuungszusage erhaltet.
  11. Notiert euch die Räume im Stundenplan und wisst welche Gebäude gemeint sind, falls Abkürzungen gebraucht werden
    Andernfalls werdet ihr mit Horden an weiteren Erstsemestern durch die Gänge streifen, auf der Suche nach funktionierendem Internet oder jemand, der euch sagen kann wo ihr hin müsst. Man munkelt, dass es Leute gibt, die Seminare sofort wieder aufgeben mussten, weil sie die Räume nicht gefunden haben. Das verzweifelte gemeinsame Suchen ist jedoch auch ein guter Erstsemester-Bonding-Moment, also nicht zu viel Panik, wenn ihr tatsächlich erfolglos bleibt. Und psst: wir aus den höheren Semestern kennen das Problem auch, sind aber zu cool um es zuzugeben und laufen daher zielsicher irgendwohin, wo wir nicht hin müssen…
  12. Nicht verzweifeln wenn ihr den Anrechnungskram nicht versteht
    Euer/eure Dozent*in wird in der ersten Seminarstunde darauf eingehen. Und danach werden viele Leute viele Fragen stellen, bis wirklich alles durchgeklärt ist. Dieses Spiel wird sich dann noch mindestens zweimal im Semester wiederholen. Also einfach in die Kurse gehen und wenn ihr feststellt, dass ihr euch wirklich nichts anrechnen könnt, eben wieder gehen.
  13. Nicht verzweifeln wenn alle Kurse Dienstag von 10 bis 12 angeboten werden
    Jede Uni schein ihre bevorzugte Zeit zu haben, zu der absolut alles gleichzeitig angeboten wird. Ist doof, hasst jeder, kann man nicht ändern, da Dozent*innen sofort anfangen mit Raumplänen, Univerwaltung etc wenn man sich beschwert. Einzige Option: Am besten erstmal digital alles eintragen was einen interessiert und dann eben aussuchen welcher der fünf Kurse jetzt der beste ist. Nervt, aber scheint eine der Grundsätzlichkeiten des Studierens zu sein.

Ein immer wieder häufiger Fehler bei der Stundenplan-Planung ist die zeitliche Über- oder Unterforderung. Auch hier gibt es einige Tipps, die ihr beachten könnt:

  1. Macht niemals einen Stundenplan nur für die Uni
    Der vermutlich wertvollste Tipp: wenn ihr euren Stundenplan gestaltet, solltet ihr zunächst auch Rücksicht auf euer Leben abseits der Uni nehmen. D.h. ihr tragt in euren Stundenplan nicht nur Unikurse ein, sondern auch Verpflichtungen wie Arbeit oder Sport. In einem weiteren Schritt solltet ihr euch dann Lesezeit für die Seminare eintragen. Man liest pro Seminar in der Regel mindestens zwei Stunden zur Vorbereitung und vor allem im Falle von Vorlesungen mit Klausur empfiehlt es sich auch, die Stunden nachzubereiten. Diese Zeit ist die Zeit, in der eure eigentliche Uniarbeit stattfindet (und ist sehr viel wichtiger als die Anwesenheit in den Seminaren, anders als in der Schule) und sollte ebenso eingeplant werden, damit ihr schon zu Beginn des Semesters feststellt, ob ihr euch überfordert. Natürlich ist es dann euch überlassen, ob ihr euch an diese Zeiten tatsächlich halten wollt, oder ob ihr diese Methode erstmal nur benutzt um zu wissen, ob euer Stundenplan zu voll ist. In der Praxis sieht das dann zum Beispiel so aus:Bildschirmfoto 2017-07-31 um 23.51.42.png
  1. Belegt einen guten Mix aus Kursen mit Leistungsnachweis und ohne
    Ein Kurs mit Leistungsnachweis ist prinzipiell ein Kurs mit Hausarbeit oder Klausur. Je nach Uni sind die Regeln für Leistungsnachweise unterschiedlich, aber ihr solltet vermeiden euch zum Ende des Semesters zu viel aufzuladen. Dies ist natürlich von euch selbst abhängig aber maximal drei Hausarbeiten ohne Klausur oder zwei mit Klausur sollten nicht überschritten werden.
  2. Gebt Kurse auf, wenn ihr überfordert seid
    Hadert nicht zu lange mit euch selbst – wenn ihr in der dritten Woche schon mit all euren Texten überfordert seid und euch nur noch apathisch in die Uni schleppt, dann lasst besser sofort einen Kurs fallen. Die großen Pläne nach Weihnachten oder Ostern alles aufgearbeitet zu haben, funktionieren nämlich nie. Die einzigen Kurse, die ihr nicht fallen lassen dürft, sind die Sprachkurse, alles andere kann man immer nachholen. Es wird tatsächlich besser … je länger man studiert desto leichter wird es zu studieren – also nicht komplett aufgeben.
  3. Passt euren Stundenplan eurem Leben an
    Im Herbst 2017 müsst ihr endlich den Führerschein machen, weil ihr bisher zu faul wart oder den TOEFL machen und viel lernen? Dann belegt sofort weniger Kurse. Es ist völlig ok in einem Semester nur 20 und in einem anderen 35 zu absolvieren.
  4. Vier Kurse am Tag überlebt niemand
    Es ist verlockend: Vier Kurse hintereinander an einem Tag zu belegen und prompt müsst ihr nur einmal die Woche in die Uni! Tatsächlich werdet ihr mit einer solchen Regelung nicht glücklich. Der Supermensch, der sich tatsächlich acht Stunden am Stück konzentrieren kann und vorbereitet im Kurs mitarbeitet, muss erst noch geboren werden (und wird dann vermutlich von uns restlichen Sterblichen sehr gehasst werden). Widersteht der Versuchung; ihr seid ja durchaus an die Uni gekommen, um was zu lernen und dafür braucht man nun mal einfach Zeit. Verteilt eure Kurse also über die Woche.
  5. Belegt lieber etwas nach, als gelangweilt zu sein
    Ihr habt dieses Mal eigentlich alles richtig gemacht und seid plötzlich zum ersten Mal in eurer Uni-Karriere unterfordert als überfordert? Wenn euch das stört, solltet ihr euch in den ersten paar Uniwochen noch einmal überlegen ob ihr einen Kurs nachbelegen wollt. Die allermeisten Dozent*innen werden das zulassen, wenn ihr bereit seid Extraaufgaben zu übernehmen.

Falls euch dieser Stundenplan-Planungstext nicht ausreicht, könnt ihr neben den 300 weiteren Texten über Stundenpläne im Internet aber natürlich auch aktiv mit Leuten sprechen um eure Stundenplans-Probleme in den Griff zu bekommen.

  1. Hilfe suchen bei der Fachschaft
    Die allermeisten Studiengänge haben eine studentische Fachschaft, die rund um den Semesterbeginn Extra-Sprechstunden anbietet um euch bei euren Stundenplänen zu helfen. Das hat viele Vorteile: ihr sprecht mit Leuten, die genauso studieren wie ihr, knüpft erste Kontakte mit anderen Studierenden, könnt exklusives Wissen über eure zukünftigen Profs oder Dozenten abgreifen, das man sonst so nirgends anders bekommt und werdet merken, dass nicht nur ihr verwirrt seid, sondern alle anderen auch.
  2. Hilfe suchen bei eurem Studienfachberater
    Der Studienfachberater, aka der vermutlich wichtigste Mensch in eurer kommenden Unikarriere, bis ihr wisst, wie Unis funktionieren, ist der logische nächste Ansprechpartner, vor allem, wenn es euch bei der Studienplanung bereits um Fragen der Anrechnung geht oder ihr den Gerüchten rund um Anrechnung der Fachschaft nicht so ganz glauben könnt.
  3. Hilfe suchen bei Studierenden in höheren Fachsemestern
    Wenn ihr keine kennt, sprecht einfach Leute in euren Seminaren an. Die Chance ist hoch, dass es sich um höhere Fachsemester handelt, wenn ihr diese Leute noch nie gesehen habt. Fast jeder wird euch bereitwillig Auskunft erteilen. Oder ihr schreibt eine kleine Mail an die Mapping China Mailingliste auf der Suche nach Hilfe 😉
  4. Hilfe suchen bei anderen Uni-Einrichtungen
    Die allermeisten Unis haben Hilfs-Einrichtungen für das Studieren an sich aber auch mentale Gesundheit. Geht’s euch nicht gut, solltet ihr euch an diese Stellen wenden. Uni kann überfordernd, langweilig, einfach nicht passend sein und es ist keine Schande nach anderen Optionen zu suchen, wenn ihr nicht glücklich seid.

Habt ihr weitere Tipps zur Stundenplangestaltung? Dann schreibt mir gerne direkt eine Email an juliatatrai@mappingchina.org oder tweetet uns an @mappingchina

 

 

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